Methodik › Einleitung

Methodik · Teil 1 von 3

Warum Backtests — und was sie nicht können

Bevor es um Daten, Engine und Kennzahlen geht, die Grundfrage: Wozu dient ein Backtest überhaupt, welche Fragen beantwortet er, und wo genau hören seine Aussagen auf?

Lesezeit ca. 7 Minuten

Zweck

Messung statt Meinung

Ein Backtest ist die Anwendung einer fest definierten Handelsregel auf historische Marktdaten. Man tut so, als hätte man die Strategie in der Vergangenheit mechanisch befolgt, und misst, was dabei herausgekommen wäre. Das klingt simpel, ist aber der einzige seriöse Weg, eine Strategie zu prüfen, bevor echtes Kapital im Spiel ist.

Der Zweck auf diesem Blog ist eng umrissen: Backtests ersetzen Meinung durch Messung. Statt zu behaupten, eine Optionsstrategie sei „profitabel“, wird sie über einen langen Zeitraum durchgerechnet — und jede Annahme dabei offengelegt. Was übrig bleibt, ist keine Überzeugung, sondern eine überprüfbare Zahl.

Fragestellungen

Welche Fragen ein Backtest beantwortet

Ein guter Backtest beantwortet nicht „Wie viel Geld hätte ich verdient?“, sondern differenziertere Fragen:

  • Verhalten über Zeit: Wie schlägt sich die Strategie in Aufschwung, Crash und Seitwärtsmarkt?
  • Risikoprofil: Wie tief und wie lang sind die Verlustphasen? Ein hoher Endgewinn nützt nichts, wenn zwischendurch ein Drawdown auftritt, den niemand real durchgehalten hätte.
  • Robustheit: Bleibt das Ergebnis stabil, wenn man Startzeitpunkt, Basiswert oder einen Parameter leicht ändert?
  • Vergleichbarkeit: Schlägt die Strategie eine einfache Benchmark — etwa Buy-and-Hold — nach Kosten und Risiko?

Die letzte Frage ist die wichtigste und wird gern übersehen. Eine Rendite für sich sagt wenig: Zehn Prozent im Jahr sind stark, wenn der Markt seitwärts lief — und schwach, wenn er zwanzig Prozent zulegte. Jede Strategie wird deshalb gegen eine Benchmark gestellt.

Grenzen

Wo die Aussagekraft endet

Ein Backtest blickt ausschließlich zurück. Er zeigt, wie sich eine Regel in der Vergangenheit geschlagen hätte — die Zukunft sagt er nicht vorher. Diese Einschränkung ist zentral, keine Fußnote:

Der Markt der Vergangenheit ist die einzige Stichprobe, die wir haben — aber es ist nur eine Stichprobe. Regime ändern sich, Volatilität ändert sich, und Zusammenhänge, die zehn Jahre trugen, können im elften brechen.

Jeder Backtest ist zudem ein Modell der Wirklichkeit, kein Abbild. Er trifft Annahmen über Ausführung, Kosten und Liquidität. Sind sie zu optimistisch, sieht das Ergebnis besser aus, als die Realität es je zugelassen hätte. Wie diese Annahmen hier konservativ gehalten werden, ist Thema des nächsten Teils.

Analyse, nicht Prognose

Der Zweck eines Backtests ist zu verstehen, wie sich eine Strategie verhält — wo ihre Stärken liegen, wann sie leidet, welches Risiko sie trägt. Er ist ein Analyse-, kein Prognosewerkzeug. Wer einen Backtest als Renditeversprechen liest, benutzt ihn falsch.

Der ehrliche Umgang mit Unsicherheit

Auch die beste Methodik beseitigt die Unsicherheit nicht — sie macht sie sichtbar. Genau deshalb wird jede Strategie zusätzlich im Journal über einen Paper-Account live weiterverfolgt: um zu sehen, ob die Backtest-Erwartung auch im laufenden Markt trägt. Prognose gegen Realität — das ist der eigentliche Test, und er ist der Grund, warum diese drei Methodik-Teile überhaupt existieren.